Vielleicht eine typisch kanadische Familie ?

Yoho Nationalpark, B.C. , KANADA  ||

Wie stellt Ihr Euch die Kanadier vor? Gibt es einen „typischen“ Kanadier in Eurem Kopf? Hmmm, schwer zu sagen oder ? Wir möchten Euch daher einfach mal die Zietlows vorstellen, die in unseren Augen eine typisch kanadische Familie sein könnten, wenn es so einen Stereotypen überhaupt gibt. Im Interview mit ihnen stellt sich jedenfalls heraus, dass sie immerhin fünf wichtigen kanadischen Kriterien entsprechen: Sie sind multikulti, super-duper freundlich, besitzen ein Boot, leben auf einer Ranch und lieben Camping. Das müssen Kanadier sein…  

Super-duper freundlich

Wir haben die fünf-köpfige Familie auf einem Campingplatz im Yoho National Park (in British Columbia) kennengelernt und spontan interviewt. Gerne haben sie uns aus ihrem Leben erzählt, bereitwillig ihren Camper von innen und außen gezeigt und uns dann auch noch zum gemeinsamen BBQ, Bier und Frühstück eingeladen. Wenn wir in der Nähe sind, sollen wir sie auch noch auf ihrer Ranch in B.C. besuchen kommen.

Das war natürlich das erste und wichtigste “typisch-kanadisch” Indiz: Super-duper freundlich! 

Eine Multi-Kulti-Familie

Familie Zietlow mit Hund Bella vor ihrem geliebten amerikanischen Motorhome

Das zweite Indiz war ihre Multikulturalität. Papa Michael ist Deutscher und ist vor über 30 Jahren nach Kanada ausgewandert. „Damals war das noch ganz einfach. Bereut habe ich diese Entscheidung noch nie“, erzählt er. 

Mama Alissa ist in Russland aufgewachsen. Dort haben sich die beiden im Zug kennengelernt, kurz darauf geheiratet und haben sich in Kanada gemeinsam ein neues Leben aufgebaut. Mittlerweile sind beide auch kanadische Staatsbürger, doch ihre Pässe aus dem Heimatland haben sie ebenfalls behalten. Somit haben sie nun beide eine doppelte Staatsbürgerschaft (deutsch/kanadisch und russisch /kanadisch), was auch wieder sehr typisch für Kanada ist.

Die drei Kinder Daniella, Nicole und Alan haben sogar jeweils drei Pässe. Sie sind alle in Kanada geboren und demnach „echte“ Kanadier, haben aber zusätzlich die deutsche und russische Staatsbürgerschaft angenommen. „Man weiß ja nie, wozu das mal gut sein kann“, sagt die älteste Tochter Daniella.

Während Michaels Muttersprache Deutsch und Alissas Muttersprache Russisch ist, unterhält sich die Familie aber ausschließlich auf Englisch. Die Kinder sprechen wie die meisten  Kanadier fließend Englisch und Französisch, aber nur ein paar Worte Deutsch und Russisch. Daran wollen sie aber noch arbeiten, sagen sie.

Michael spricht mittlerweile lieber Englisch als Deutsch, erzählt er uns in Englisch mit einem sehr ausgeprägten deutschen Akzent. Im Deutschen müsse er aber zulange nach den richtigen Worten suchen, Englisch gehe schneller, sagt er. Und obwohl wir das Interview auf Englisch führen, bemüht er sich ab und zu doch ein paar Brocken Deutsch einzubauen, was dann in einem perfekten Denglish endet.

Und auch die Multikulturalität der Zietlows spricht für echte Kanadier. Kanada ist nämlich eines der ethnisch multikulturellsten Länder der Welt. Es zählt als beliebtes Einwanderungsland für alle Ethnien und Kulturen. Fast 20% der Kanadier sind Einwanderer aus allen Ländern der Welt mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Die deutsch-russisch-kanadischen Zietlows also gar nichts Außergewöhnliches, sondern purer kanadischer Durchschnitt.

Wir lieben Camping

Was die ganze Familie gemeinsam hat – und was den Stereotypen-Kanadier wohl definitiv bestätigt: Sie lieben Camping. Kanada ist einfach das Land der Camping-Enthusiasten und so auch Familie Zietlow.

Eigentlich wohnt die Familie ja auf einer Ranch im schönen British Columbia (oh wie typisch kanadisch sich auch das anhört), aber an langen Wochenenden und im Urlaub geht es mit Daddy´s Class C Motorhome (Ford E350) schon seit 15 Jahren on-the-road.

Das hat halt nicht jeder: Micheal ist stolz auf sein Motorhome in Tarnfarbe

„Unser Motorhome ist wie ein Mini-Zuhause auf Rädern“, ist sich die Camper-Familie einig. Die drei Kinder schlafen allerdings mittlerweile lieber im separaten Zelt, obwohl das Wohnmobil sechs Schlafplätze bietet.

Wie viele Kanadier, reisen auch die Zietlows gerne durchs „eigene“ Land, aber sind auch viel in den USA und in Mittelamerika unterwegs. Michaels Lieblingsroute führte ihn bereits mehrfach quer durch Mexiko.

 „Das Schöne am Reisen mit dem Motorhome ist, man kann stehen, wo immer man möchte. Natürlich umso besser, wenn man so grün ist wie wir“, fügt Michael mit stolzem Blick auf seinen oliv-grünen Camper hinzu.

Auf einem Campingplatz fällt dieser zwar als etwas Besonderes neben all den schneeweißen Campern auf, doch auf Campingplätzen findet man die Familie auch eher selten. „Wir campen lieber frei, mitten in der Natur, irgendwo spontan, wo es uns gefällt“, erzählt Alissa begeistert. Aus diesem Grund sprühte Michael seinen Camper auch vor ein paar Jahren in der „Farbe des Dschungels“ ein, denn dies habe in seinen Augen gleich zwei Vorteile: „Einerseits fallen wir damit in Parks oder mitten im Wald nicht so auf, wenn wir frei stehen. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass die Farbe in Mittelamerika etwas abschreckt, weil alle denken, es sei ein Militärfahrzeug. Dadurch wurden wir bei Straßensperren nicht so oft angehalten“, berichtet Michael augenzwinkernd und stolz aus Erfahrung.

Wie in Kanada üblich, haben auch sie immer ein Boot dabei, was hinten am Wohnmobil befestigt wird. Ein Kanadier ohne Boot? Schwer vorstellbar bei all den vielen Seen und Flüssen, die das Land durchziehen.

Micheal und Alissa in ihrem Mini-Zuhause für unterwegs

„Das Beste am Reisen mit dem Motorhome ist, man hat alles, was man braucht dabei und ist immer bereit ins nächste Abenteuer loszufahren“, schwärmt auch die jüngste Tochter.

Was die Vorteile des Camper-Lebens angeht, fällt Michael noch ein weiterer guter Grund ein: Man verliere in der Regel nichts. „Dein Motorhome ist wie Dein Hotelzimmer, aber Du musst es nicht ständig wechseln, kannst also nichts aus Versehen liegen lassen.“

Auf meine letzte Frage, was das Besondere am Campen in Kanada sei, antwortet Alissa mit einem Reisebericht von ihrem ersten gemeinsamen Deutschlandurlaub. Natürlich wollte die Familie auch in Michaels Heimat nicht auf Camping verzichten. Sie mieteten sich einen schönen Wohnwagen, fuhren raus ins Grüne, suchten sich ein schönes ruhiges Plätzchen und schmissen den Grill an – wie gewohnt. Doch noch bevor sie ihr Steak genießen konnten, stand die Polizei auf der Matte, warf ihnen „Campingartiges Verhalten“ vor und verscheuchte die Familie von ihrem idyllischen Plätzchen mitten in der Natur… Was für eine Enttäuschung für die kanadischen Wild-Camping-Enthusiasten. Ach ja, in Deutschland sei das ja anders, fiel Michael dann wieder ein.  

Mit dieser kleinen Anekdote versuchte Alissa die Camping-Vorzüge Kanadas hervorzuheben und betonte: „In Kanada ist freies Campen wesentlich einfacher, wir haben einfach mehr Platz“.

Und auch sonst sei alles viel einfacher und lockerer in Kanada, sagen sie. „Wir fühlen uns hier Zuhause, Kanada ist unsere neue Heimat“, ist sich das Ehepaar Zietlow einig.

Ob zum Frühstück oder BBQ, der Grill auf dem Tisch ist obligatorisch

Michael behält während unseres Gesprächs übrigens immer seine Steaks auf dem Grill im Auge und wendet sie liebevoll. Eigentlich ein weiteres kanadisches Indiz, denn es gibt kaum einen kanadischen Camper, der keinen riesigen Gas-Grill auf dem Picknicktisch stehen hat. Plötzlich springt Michael auf und sagt: „Die Steaks sind ready. You want auch some ?“.

Klingt verdammt nach Kanada oder ?

Was ist für Euch typisch kanadisch ?

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